EU-Asylreform: Bosbach warnt vor Kontrollverlust

Dieses Video wurde am 13. Juni 2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die geplante Reform des europäischen Asylsystems stößt auf erhebliche Skepsis hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzbarkeit. Der ehemalige Innenpolitiker Wolfgang Bosbach warnt vor anhaltenden strukturellen Defiziten und einer dysfunktionalen Asylpraxis innerhalb der Staatengemeinschaft. Besonders die gerechte Verteilung der Schutzsuchenden bleibt ein zentraler Streitpunkt in der europäischen Migrationspolitik.

Die historische Erfahrung mit dem Dublin-Abkommen zeigt, dass theoretische Verteilungsschlüssel in der Realität oft scheitern, da sich viele Mitgliedstaaten nicht an die Vorgaben halten. Polen kündigte bereits an, weniger Asylbewerber aufzunehmen als vorgesehen. Bosbach betont, dass Deutschland aufgrund seiner geografischen Lage im Herzen Europas ohne EU-Außengrenzen formell privilegiert ist. Länder an den Außengrenzen wie Griechenland tragen die Hauptlast des Grenzschutzes. Ohne echte Harmonisierung droht auch die neue EU-Asylreform an nationalen Sonderregelungen und der ungesteuerten Sekundärmigration zu scheitern.

Die Asylpraxis der EU ist seit Jahren dysfunktional. Selbst bei einer Einigung droht eine ungesteuerte Weiterwanderung in beliebte Zielländer.

Neben der Migrationspolitik äußert sich Bosbach auch zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft. Dass Regierungsmitglieder wie der Bundeskanzler auf eine Reise zum Eröffnungsspiel verzichten, hält er für politisch klug. In der Vergangenheit sorgten politische Botschaften auf der Tribüne, wie die One-Love-Binde der Innenministerin, für diplomatische Spannungen mit den Gastgebern. Deutsche Politiker sollten sich in Krisenzeiten auf die Regierungsarbeit in Berlin konzentrieren, anstatt im Ausland symbolische Präsenz zu zeigen. Für das Auftaktspiel prognostiziert er dennoch einen deutlichen sportlichen Erfolg.