Dieses Video wurde am 8. Juni 2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die neue EU-Entgelttransparenzrichtlinie soll für faire Gehälter und weniger Diskriminierung sorgen. Doch während Brüssel auf schnelle Offenheit pocht, verschiebt die Bundesregierung die Umsetzung auf 2027. Für deutsche Bewerber bleibt die Geheimniskrämerei beim Gehalt damit vorerst Realität.
Laut Experten hat die Verzögerung des Gesetzes handfeste Konsequenzen für den Bewerbungsprozess. Da das deutsche Umsetzungsgesetz fehlt, können Arbeitgeber derzeit nicht sanktioniert werden, wenn sie Gehaltsspannen verschweigen. Wer in Gehaltsverhandlungen voreilig auf die EU-Vorgaben pocht, riskiert im schlimmsten Fall eine Absage. Nur in Branchen mit extremem Fachkräftemangel haben Bewerber derzeit eine starke Verhandlungsposition. Berufsberater raten daher zu einer pragmatischen Herangehensweise bei anstehenden Vorstellungsgesprächen, um sich nicht selbst ins Aus zu manövrieren.
Wer gute Leute will, muss Gründe liefern – transparente Gehaltsangaben in Stellenanzeigen bringen Arbeitgebern letztlich bessere Bewerber.
Dennoch sollten Unternehmen das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen. Gerichte dürften die neuen EU-Kriterien bei Streitfällen rund um das deutsche Entgelttransparenzgesetz ab sofort verstärkt berücksichtigen. Besonders die drohende Beweislastumkehr, bei der Arbeitgeber eine Nicht-Diskriminierung aktiv nachweisen müssen, erhöht den Druck massiv. Vor allem Betriebe mit mehr als 200 Beschäftigten sollten sich deshalb schon jetzt intensiv auf die kommenden Verschärfungen vorbereiten.




