Messerattacke in Bingen: Urteil gegen Burschenschafter

Dieses Video wurde am 15. Juni 2026 von DER SPIEGEL auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Ein brutaler Messerangriff in Bingen wirft ein Schlaglicht auf die Radikalisierung innerhalb rechter Studentenverbindungen. Ein politischer Streit zwischen zwei Verbindungsstudenten eskalierte fatal, nachdem verfassungsfeindliche Lieder abgespielt wurden. Das anschließende Gerichtsverfahren vor dem Landgericht Mainz offenbart tiefgreifende gesellschaftliche Konflikte.

Der Täter Florian K., Mitglied der vom Verfassungsschutz beobachteten Marburger Burschenschaft Rheinfranken, attackierte das Opfer Leon aufgrund dessen linker politischer Aktivität. Dem Angriff ging das Abspielen von NS-Propagandaliedern voraus, was die Situation eskalieren ließ. Mit einem Bundeswehrmontur-Outfit und sichtbarem Schmiss trat der Angreifer auf, bevor er unvermittelt zustach. Das Opfer überlebte den Angriff nur knapp. Die Tat verdeutlicht die latente Gewaltbereitschaft an den Rändern des akademischen Milieus, die zunehmend Sicherheitsbehörden beschäftigt.

Die politische Gesinnung des Täters spielte im Urteil überraschend kaum eine Rolle, obwohl bei ihm rechtsextreme Schriften sichergestellt wurden.

Das Landgericht Mainz verurteilte den Täter schließlich wegen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Strafeinschränkend wirkte sich die erhebliche Alkoholisierung des Angeklagten zur Tatzeit aus, während rechtsextremistische Beweismittel wie Hitlers „Mein Kampf“ strafrechtlich kaum ins Gewicht fielen. Kritiker bemängeln seither, dass die politisch motivierte Dimension der Tat im Gerichtsverfahren unzureichend gewürdigt wurde und fordern eine stärkere Sensibilisierung für rechtsextreme Gewaltstrukturen.