Angst in Jerusalem: Gewalt gegen Christen eskaliert

Dieses Video wurde am 28. Mai 2026 von DW Deutsch auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

In Jerusalem spitzt sich die Lage für religiöse Minderheiten dramatisch zu. Berichte über systematische Einschüchterungen und Übergriffe auf christliche Geistliche häufen sich im öffentlichen Raum. Kritiker sehen in der Untätigkeit der Behörden eine gefährliche Duldung, die das interreligiöse Zusammenleben akut gefährdet.

Abt Nikodemus Schnabel berichtet von einem besorgniserregenden Alltag im christlichen Viertel, in dem Spuckattacken und Beschimpfungen mittlerweile zur Normalität gehören. Diese Übergriffe ereignen sich zunehmend bei Tageslicht. Viele Beobachter machen die ultranationalistische Regierungskoalition für das aufgeheizte Klima verantwortlich. Politische Akteure wie Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir verharmlosten die Taten in der Vergangenheit als unbedeutende Traditionen. Das Ausbleiben einer strafrechtlichen Kriminalisierung führt bei der betroffenen Minderheit zu wachsender Resignation und tiefer Verunsicherung über ihre Zukunft in der historischen Altstadt.

Die zunehmende Feindseligkeit gegen Christen im öffentlichen Raum Jerusalems droht die traditionelle Vielfalt dieser heiligen Stadt dauerhaft zu zerstören.

Die soziokulturellen Folgen dieser Entwicklung sind bereits messbar. Studien zufolge zieht die Hälfte der christlichen Bevölkerung unter 45 Jahren die Abwanderung aus Jerusalem ernsthaft in Erwägung. Ohne ein konsequentes Eingreifen der Strafverfolgungsbehörden und eine klare politische Verurteilung droht ein historischer Verlust an Pluralismus. Vertreter der Kirchen fordern daher eine stärkere internationale Aufmerksamkeit für die schwindenden Freiheiten im Heiligen Land, um den Schutz aller Glaubensgemeinschaften langfristig zu sichern.