Dieses Video wurde am 5. Dezember 2025 von euronews (deutsch) auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Nach dem Sturz des Assad-Regimes sehen einige keinen Grund mehr für Asyl. Doch ein Deutsch-Syrer warnt vor voreiligen Schlüssen. Eine neue Flüchtlingswelle droht.
Bundeskanzler Friedrich Merz argumentiert, dass der Bürgerkrieg in Syrien beendet sei und es somit keine Grundlage mehr für Asyl in Deutschland gäbe. Tarek Alaows, Sprecher von Pro Asyl, warnt jedoch vor verfrühten Annahmen. Er selbst hegte nach dem Sturz Assads Hoffnung auf eine demokratische Zukunft. Diese Hoffnung wich jedoch schnell der Ernüchterung, insbesondere nach der Machtergreifung von Ahmed Alsara, einem Ex-Anführer eines Al-Qaida-Ablegers. Kritiker bezweifeln dessen demokratische Absichten.
Die internationale Gemeinschaft darf nicht die Augen vor der Realität verschließen. Eine Legitimierung von extremistischen Gruppen in Syrien ist brandgefährlich und wird neue Fluchtbewegungen auslösen.
Alaows betont, dass nach dem Sturz des Assad-Regimes Minderheiten, LGBTQ-Personen und Frauen weiterhin verfolgt und unterdrückt werden. Er sieht zurzeit keine Basis für einen Wiederaufbau in Syrien und kritisiert, dass die internationale Gemeinschaft mit Jihadisten liebäugelt. Dies legitimiere Gruppen wie Ahmed Alsara und ignoriere die Unterdrückung der Bevölkerung. Stattdessen brauche es Druck auf die Machthaber.
Alaows kritisiert die aktuelle Flüchtlingspolitik als nicht nachhaltig. Der Fokus liege darauf, Menschen von der Flucht nach Deutschland oder Europa abzuhalten. Dies sei jedoch zum Scheitern verurteilt, solange Kriege und Krisen in den Herkunftsländern herrschen. Eine Rückkehr nach Syrien sei derzeit zu gefährlich. Europa müsse mehr Druck auf die Machthaber ausüben, damit sich die Menschen sicher fühlen und dauerhaft zurückkehren können.
Viele Syrer wünschen sich einen demokratischen Wiederaufbau ihres Landes und wollen ihre im Exil gewonnenen Erfahrungen einbringen. In Deutschland sind derzeit rund 920 Syrer ausreisepflichtig. Alaows fordert, dass zunächst mit der syrischen Zivilgesellschaft in Deutschland gesprochen werden müsse, um eine neue Fluchtwelle zu verhindern. Nur so könne ein konstruktiver Beitrag zum Wiederaufbau Syriens geleistet werden.




