Abschiebung: Staat lagert Aufgabe an Reisebüro aus!

Dieses Video wurde am 9. Dezember 2025 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Ein brisanter Schritt: Niedersachsen vergibt die Planung von Abschiebungen an ein Reisebüro. Die Polizeigewerkschaft übt scharfe Kritik an dieser Entscheidung. Ist das Sparen am falschen Ende?

Abschiebungen sind bekanntermaßen teuer und aufwendig. Um Kosten zu senken, greifen Bundesländer wie Niedersachsen auf ungewöhnliche Maßnahmen zurück. Für einen Zweijahresvertrag erhält ein Reisebüro über 330.000 Euro, um Rückführungsreisen zu organisieren. Dazu gehören die Buchung von Flügen und Hotelzimmern für Begleitpersonen wie Bundespolizisten und Dolmetscher. Angesichts von über 20.000 Abschiebungen im vergangenen Jahr stellt sich die Frage nach der Effizienz dieser Vorgehensweise.

Die Vergabe von Abschiebungen an Reisebüros ist eine Schnapsidee und zeigt die Hilflosigkeit der Behörden. Abschiebungen gehören in staatliche Hände!

Branchenkenner betonen, dass es sich um keinen einfachen Auftrag handelt. Die bürokratischen Hürden sind hoch, Genehmigungen müssen eingeholt und Polizisten koordiniert werden. Das Reisebüro muss verlässlich erreichbar sein und Flugtickets mit geringen Stornierungsgebühren buchen, da im Schnitt zwei von drei Abschiebungen scheitern. Zudem müssen zeitliche Vorgaben für die Ankunft im Zielland beachtet werden, um die Aufnahme der Abgeschobenen zu gewährleisten.

Die deutsche Polizeigewerkschaft kritisiert die Auslagerung scharf. Abschiebungen und die damit verbundene Sicherheit Deutschlands dürften nicht in die Hände von privaten Unternehmen gelegt werden. Stattdessen fordert sie die Einrichtung von Abschiebegewahrsam, um ausreisepflichtige Personen rechtzeitig festnehmen und die Anzahl gescheiterter Abschiebungen reduzieren zu können. Alexander Trom betont, dass die hoheitliche Aufgabe des Abschiebens staatlich bleiben müsse.