Dieses Video wurde am 30. April 2026 von DER SPIEGEL auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Thüringen steht vor einer massiven wirtschaftlichen Zerreißprobe, da der Online-Riese Zalando sein Logistikzentrum in Erfurt schließt. Rund 3000 Beschäftigte blicken in eine ungewisse Zukunft, während die Existenzängste in der Region zunehmen. Dieser Strukturwandel weckt schmerzhafte Erinnerungen an die Deindustrialisierung nach der Wende.
In Erfurt bricht ein wichtiger Pfeiler der lokalen Wirtschaft weg, da Zalando aus Effizienzgründen das Feld räumt. Trotz staatlicher Fördergelder in Millionenhöhe verlagert der Konzern sein Geschäft nach Hessen, was für viele Angestellte, darunter zahlreiche Schwerbehinderte, den sozialen Abstieg bedeutet. Die Betroffenen stehen vor der Wahl zwischen Arbeitslosigkeit oder einem kaum realisierbaren Umzug. Damit setzt sich ein besorgniserregender Trend fort, der den Arbeitsmarkt im Freistaat seit Jahren massiv belastet und ganze Biografien gefährdet.
Die Schließung betrifft über 2700 Seelen, deren Schicksal nun am seidenen Faden hängt, während Profitabilität über die regionale Verantwortung gestellt wird.
Historisch gesehen ist der aktuelle Jobabbau kein Einzelfall, wie das Beispiel der Stadt Suhl verdeutlicht. Nach dem Zusammenbruch der DDR-Exportmärkte verlor die Stadt fast die Hälfte ihrer Einwohner und kämpft bis heute mit dem Rückbau von Plattenbausiedlungen. Wo einst das Herz der Zweiradproduktion schlug, herrscht heute oft Stille. Diese geisterhafte Leere zeigt eindrucksvoll, welche langfristigen Folgen eine fehlgeleitete Wirtschaftspolitik und fehlende Investitionen für die infrastrukturelle Stabilität einer ganzen Region haben können.




